Eine Waldschabe ist in der Regel harmlos und kein typischer Hygiene- oder Vorratsschädling. Sie lebt draußen und verirrt sich vor allem in warmen Monaten in Gebäude. Küchenschaben beziehungsweise andere gebäudebewohnende Kakerlaken können sich dagegen in Innenräumen vermehren und Lebensmittel verunreinigen. Deshalb ist die richtige Bestimmung vor jeder Bekämpfung entscheidend.
Waldschabe oder Kakerlake: Was ist der Unterschied?
Der wichtigste Unterschied liegt in der Lebensweise. Waldschaben leben normalerweise draußen. Arten wie die Bernstein-Waldschabe können zwar durch offene Fenster und Türen in Wohnungen oder Gewerberäume gelangen, sie befallen dort aber keine Lebensmittel und können sich in Gebäuden nicht dauerhaft vermehren.
Bei Schabenarten wie der Deutschen Schabe oder der Orientalischen Schabe sieht das anders aus. Sie können sich in geeigneten Innenräumen ansiedeln und gelten als Hygieneschädlinge.
Wichtig ist dabei: Der Begriff „Küchenschabe“ wird nicht überall gleich verwendet. Das Umweltbundesamt bezeichnet beispielsweise die Orientalische Schabe als Küchenschabe. Andere Fachstellen verwenden den Begriff auch für die Deutsche Schabe. Deshalb sollte bei einem Fund nach Möglichkeit immer die konkrete Schabenart bestimmt werden.
Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/schaben
Waldschabe, Küchenschabe und andere Kakerlaken im Vergleich
| Merkmal | Waldschabe | Küchenschabe | andere Kakerlaken | Bedeutung für die Bekämpfung |
| Lebensraum | hauptsächlich draußen, z.B. in Gärten, Laub und Vegetation | warme oder feuchte Innenbereiche wie Küchen, Keller und Lebensmittelbereiche | Je nach Art, warme, feuchte oder geschützte Innenräume | Der Fundort ist ein wichtiger, erster Hinweis |
| Aussehen | meist hell- bis bernsteinbraun | je nach Art unterschiedlich; Deutsche Schabe hellbraun, Orientalische Schabe dunkelbraun bis schwarz | z.B. Amerikanische Schabe rotbraun oder Braunbandschabe hell- bis dunkelbraun | Farbe allein reicht für eine sichere Bestimmung nicht aus |
| typisches Erkennungsmerkmal | bei der Bernstein Waldschabe keine braunen Längsstreifen wie bei der deutschen Schabe | Deutsche Schabe besitzt zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild | Merkmale unterscheiden sich je nach Art | Halsschild und Körperform möglichst genau prüfen |
| Verhalten | verirrt sich häufig von außen in Gebäude | versteckt sich häufig in Ritzen, hinter Geräten oder Möbeln | abhängig von der jeweiligen Art | Verhalten ist nur ein Hinweis, kein sicherer Artbeweis |
| Vermehrung in Gebäuden | normalerweise nicht | möglich | bei typischen Gebäudebewohnenden Arten möglich | wiederholte Funde sollten ernst genommen werden |
| Hygienerisiko | normalerweise kein Hygieneschädling | kann Lebensmittel verunreinigen und Keime verschleppen | bei mehreren Gebäudebewohnenden Arten ebenfalls relevant | bei bestätigtem Befall gezielt handeln |
| Maßnahmen | Einzeltier entfernen und Zugangsmöglichkeiten reduzieren | Befall kontrollieren, Art bestimmen und gegebenenfalls bekämpfen | Vorgehen ist artabhängig | Erst bestimmen, dann bekämpfen |
Tipp: Wenn du eine Schabe tagsüber siehst, die aktiv auf Licht reagiert, ist es wahrscheinlich eine Waldschabe. Wenn sie hingegen flieht und sich in dunkle Spalten verkriecht, handelt es sich eher um eine Küchenschabe – und das ist ein Warnsignal.
Woran erkenne ich eine Waldschabe?
Besonders häufig wird die Bernstein-Waldschabe mit der Deutschen Schabe verwechselt. Auf den ersten Blick sehen sich beide Tiere ähnlich.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist das sogenannte Halsschild direkt hinter dem Kopf. Bei der Deutschen Schabe sind dort zwei dunkle Längsstreifen zu erkennen. Bei der Waldschabe fehlen diese auffälligen Streifen normalerweise.
Die Waldschabe ist außerdem ein Freilandinsekt. Besonders während der wärmeren Monate kann sie durch Fenster, Balkon- oder Terrassentüren ins Gebäude gelangen. Erwachsene Tiere können bei passenden Temperaturen auch fliegen.
Die Deutsche Schabe ist dagegen an das Leben in beheizten Gebäuden angepasst. Sie versteckt sich häufig in dunklen Bereichen, Ritzen und Spalten und kann sich dort vermehren.
Quelle: Stadt Zürich – Deutsche Schabe und Waldschabe
Wer sich bei der Art nicht sicher ist, sollte ein möglichst scharfes Foto von oben machen. Besonders Halsschild, Flügel und Körperform sollten darauf gut erkennbar sein.
Was tun, wenn eine Waldschabe im Haus ist?
Bei einer einzelnen Waldschabe ist normalerweise keine umfassende Schädlingsbekämpfung erforderlich.
Das Tier kann eingefangen und nach draußen gebracht werden. Anschließend lohnt es sich zu prüfen, wie es in das Gebäude gelangt sein könnte.
Typische Maßnahmen sind:
- Fliegengitter an Fenstern und Türen einsetzen
- Spalten und undichte Stellen an Fenstern oder Türen kontrollieren
- offene Fenster bei eingeschaltetem Licht möglichst vermeiden
- Laub, Pflanzenreste und dichtes Pflanzenwachstum unmittelbar an der Fassade reduzieren
- einzelne Tiere entfernen und weitere Funde beobachten
Wenn dagegen regelmäßig Schaben auftreten oder mehrere Tiere in Küche, Vorratsraum oder hinter Geräten gefunden werden, sollte zunächst geklärt werden, ob tatsächlich eine Waldschabe vorliegt.
Passend dazu findest du in unserem Ratgeber „Schabengel bringt nichts? Oft ist die Waldschabe der Grund“ weitere Informationen zur richtigen Artbestimmung.
Woran erkenne ich einen echten Kakerlakenbefall?
Ein einzelnes Tier bedeutet noch nicht automatisch, dass ein Befall besteht. Mehrere wiederkehrende Funde sollten jedoch genauer untersucht werden.
Hinweise auf einen möglichen Schabenbefall sind beispielsweise wiederholte Sichtungen an denselben Stellen, Jungtiere unterschiedlicher Größe, Eipakete, Häutungsreste oder Kotspuren.
Typische Verstecke liegen unter anderem:
- hinter Kühlschränken und anderen Elektrogeräten
- unter Spülmaschinen
- hinter Sockelleisten
- in Ritzen und Wanddurchführungen
- in Schränken und Lagerbereichen
- in der Nähe von Wärme- und Feuchtigkeitsquellen
Gerade die Deutsche Schabe bevorzugt warme und feuchte Bereiche und ist überwiegend nachtaktiv. Ein Befall kann deshalb längere Zeit unbemerkt bleiben.
Mehr zur Bestimmung der einzelnen Arten findest du auch in unserem Ratgeber „Kakerlaken erkennen, bekämpfen und vorbeugen“.
Warum Küchenschaben und Kakerlaken problematisch sind
Gebäudebewohnende Schaben können Lebensmittel und Oberflächen durch Ausscheidungen verunreinigen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes können verschiedene Krankheitserreger durch Schaben verschleppt werden. Auch allergische Reaktionen durch Schaben und ihre Ausscheidungen sind möglich.
Das bedeutet nicht, dass jede gefundene Schabe automatisch ein Gesundheitsrisiko darstellt. Gerade deshalb ist die Unterscheidung zwischen einer eingeschleppten Waldschabe und einem tatsächlichen Befall so wichtig.
Quelle: Umweltbundesamt – Schaben
Was sollte ich nach einem Schabenfund mit Lebensmitteln und Kontaktflächen tun?
Offene Lebensmittel, bei denen ein Kontakt mit Schaben oder deren Ausscheidungen nicht ausgeschlossen werden kann, sollten nicht weiterverwendet werden.
Lebensmittel und Tierfutter sollten geschlossen gelagert werden. Gleichzeitig empfiehlt es sich, den Fundbereich gründlich zu reinigen und insbesondere schwer zugängliche Stellen hinter und unter Kücheneinrichtungen zu kontrollieren.
Bei einem möglichen Befall sollten außerdem Nahrungs- und Wasserquellen reduziert werden. Dazu gehören Lebensmittelreste, Fettablagerungen, offene Abfälle und stehende Feuchtigkeit.
Wie behandle ich Kakerlakenbefall in meiner Küche richtig (Gastro)?
In Restaurants, Großküchen, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben muss besonders sorgfältig zwischen einer zufällig eingeschleppten Waldschabe und einem tatsächlichen Befall mit einer Hygieneschabe unterschieden werden.
Fall 1: Einzelnes Tier – möglicherweise eine Waldschabe
Wird nur ein einzelnes hellbraunes Tier in der Nähe eines Fensters, einer Tür oder eines Eingangs gefunden, sollte zunächst die Art bestimmt werden.
Fundort und Zeitpunkt sollten dokumentiert werden. Zusätzlich können Monitoringfallen an geeigneten Kontrollpunkten aufgestellt werden.
Bleiben weitere Funde aus und zeigen die Fallen keine Schabenaktivität, spricht das eher gegen eine etablierte Population.
Eine vorsorgliche chemische Behandlung ist bei einer einzelnen Waldschabe normalerweise nicht erforderlich.
Fall 2: Wiederholte Funde oder bestätigte Hygieneschaben
Treten wiederholt Tiere auf oder wurde beispielsweise eine Deutsche oder Orientalische Schabe festgestellt, sollte systematisch vorgegangen werden.
Zunächst sollten Fundstellen und mögliche Laufwege dokumentiert werden. Monitoringfallen helfen dabei, Befallsschwerpunkte zu erkennen.
Offene Lebensmittel müssen vor Kontamination geschützt werden. Lebensmittelreste, Fett, Abfälle und unnötige Feuchtigkeitsquellen sollten konsequent beseitigt werden.
Anschließend werden mögliche Verstecke wie Ritzen, Spalten, Sockelleisten, Gerätebereiche und Wanddurchführungen kontrolliert.
Erst wenn Art und Befallsumfang bekannt sind, sollte eine dazu passende Bekämpfung erfolgen.
Für Lebensmittelbetriebe sind geeignete Verfahren zur Schädlingskontrolle Bestandteil der Lebensmittelhygiene. Die EU-Verordnung 852/2004 schreibt entsprechende Verfahren zur Kontrolle von Schädlingen vor.
Quelle: Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene
Eine ausführlichere Übersicht für Gewerbebetriebe findest du außerdem in unserer „HACCP-Checkliste zur Schädlingsprävention in Gastronomie und Lebensmittelbetrieben“.
Schabenbefall kontrollieren: Monitoring vor der Bekämpfung
Bevor ein Schabengel oder ein anderes Bekämpfungsmittel eingesetzt wird, sollte geklärt werden, ob und wo tatsächlich Schabenaktivität besteht.
Dafür eignen sich Klebefallen beziehungsweise Monitoringfallen. Sie können entlang möglicher Laufwege, hinter Geräten oder an anderen verdächtigen Stellen platziert und regelmäßig kontrolliert werden.
Für das professionelle Monitoring kann beispielsweise die Catchmaster Schabenfalle 100i eingesetzt werden. Sie arbeitet ohne chemischen Wirkstoff und dient dazu, kriechende Insekten wie Schaben zu erfassen und Befallsschwerpunkte zu erkennen.
Wichtig: Monitoringfallen allein beseitigen einen etablierten Schabenbefall normalerweise nicht. Sie helfen vor allem dabei, Befall und Behandlungserfolg zu kontrollieren.
Professionelle Bekämpfung mit Schabengel
Ist ein Befall mit einer bekämpfungsrelevanten Schabenart bestätigt, kann ein geeignetes Ködergel Bestandteil des Bekämpfungskonzepts sein.
Ein bei Kaeferlingpro erhältliches Produkt ist das Advion Schabengel mit dem Wirkstoff Indoxacarb. Es ist unter anderem für Deutsche, Orientalische und Amerikanische Schaben vorgesehen.
Advion ist ein Biozidprodukt und die Anwendung ist auf berufsmäßige Verwender beschränkt. Vor der Anwendung müssen deshalb immer Etikett, Zulassung, Gebrauchsanweisung und Produktinformationen beachtet werden.
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Weitere geeignete Produkte und Monitoringlösungen findest du in der Kategorie „Schaben / Kakerlaken bekämpfen“.
Häufige Fragen zu Waldschaben und Kakerlaken
Ist eine Waldschabe gefährlich?
Eine typische Waldschabe wie die Bernstein-Waldschabe gilt nicht als klassischer Hygiene- oder Vorratsschädling. Sie lebt normalerweise draußen und kann sich in Gebäuden nicht dauerhaft vermehren.
Kann sich eine Waldschabe in meiner Wohnung vermehren?
Die in Deutschland auftretenden Waldschaben, die sich gelegentlich in Gebäude verirren, können sich dort normalerweise nicht dauerhaft fortpflanzen. Ein einzelnes Tier muss deshalb nicht automatisch bekämpft werden.
Waldschabe oder Deutsche Schabe – woran erkenne ich den Unterschied?
Bei der Deutschen Schabe sind zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild ein wichtiges Erkennungsmerkmal. Diese fehlen bei der Bernstein-Waldschabe.
Zusätzlich sollten Fundort, Verhalten und weitere Befallsspuren berücksichtigt werden. Nur ein einzelnes Merkmal reicht nicht immer für eine sichere Bestimmung aus.
Sind Küchenschabe und Kakerlake dasselbe?
Die Begriffe werden im Alltag häufig ähnlich verwendet, sind fachlich aber nicht ganz eindeutig. „Kakerlake“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für verschiedene Schabenarten.
Auch „Küchenschabe“ wird unterschiedlich verwendet. Das Umweltbundesamt bezeichnet beispielsweise die Orientalische Schabe als Küchenschabe, während andere Fachstellen den Begriff auch für die Deutsche Schabe verwenden.
Für die Bekämpfung ist deshalb die konkrete Art wichtiger als der umgangssprachliche Name.
Wann sollte ein Schabenbefall professionell bekämpft werden?
Wenn immer wieder Schaben auftreten, Jungtiere oder Eipakete gefunden werden oder mehrere Monitoringfallen Aktivität zeigen, sollte der Befall genauer untersucht werden.
Das Umweltbundesamt empfiehlt bei etabliertem Befall mit Hygieneschaben eine professionelle Bekämpfung.
Welche Produkte braucht man zur Schädlingsprävention in Gastronomieküchen?
Für die Prävention und Früherkennung steht zunächst das Monitoring im Vordergrund. Klebefallen helfen dabei, Schabenaktivität frühzeitig zu erkennen und Kontrollpunkte regelmäßig zu überprüfen.
Zusätzlich sind eine konsequente Reinigung, geschlossene Lebensmittel- und Abfallbehälter, die Beseitigung von Feuchtigkeitsquellen sowie die Abdichtung möglicher Eintrittsstellen wichtig.
Bei bestätigtem Befall können geeignete und zugelassene Schabenköder oder andere Bekämpfungsprodukte eingesetzt werden. Dabei müssen immer Anwenderkategorie, Zulassung und Gebrauchsanweisung des jeweiligen Produkts berücksichtigt werden.
Für gewerbliche Küchen findest du weitere Informationen in unserer HACCP-Checkliste zur Schädlingsprävention sowie in der Kategorie Schaben / Kakerlaken.
Fazit: Erst bestimmen, dann bekämpfen
Nicht jede Schabe im Gebäude ist automatisch eine Kakerlake beziehungsweise Hygieneschabe. Gerade während der warmen Monate verirren sich Waldschaben regelmäßig in Häuser und Wohnungen, ohne dort einen dauerhaften Befall zu verursachen.
Wiederholte Funde in Küchen, Vorratsräumen oder hinter Geräten sollten dagegen genauer untersucht werden. Entscheidend sind die Artbestimmung, ein strukturiertes Monitoring und anschließend eine zum tatsächlichen Befall passende Maßnahme.
Kurz gesagt: Erst feststellen, welche Schabe vorliegt – und erst danach über die Bekämpfung entscheiden.