Wer Lebensmittel produziert, verarbeitet oder lagert, muss Schädlinge zuverlässig verhindern und mögliche Befallsrisiken frühzeitig erkennen. Für nach IFS Food zertifizierte Unternehmen ist deshalb ein professionelles und nachvollziehbar dokumentiertes Schädlingsmanagement unverzichtbar.
Die IFS Schädlingsbekämpfung ist in IFS Food Version 8 insbesondere unter Kapitel 4.13 „Pest monitoring and control“ geregelt. Dabei geht es nicht nur um Köderstationen oder regelmäßige Kontrollen durch einen Schädlingsbekämpfer. Gefordert wird ein risikobasiertes Gesamtsystem aus Prävention, Monitoring, Dokumentation, Bekämpfung und Wirksamkeitskontrolle.
Doch welche Anforderungen stellt IFS konkret? Welche Dokumente müssen vorhanden sein? Und worauf achten Auditoren bei der Schädlingsbekämpfung?
Dieser Beitrag gibt einen praxisnahen Überblick.
Was fordert IFS bei der Schädlingsbekämpfung?
Die Anforderungen an die Schädlingsbekämpfung nach IFS Food 8 lassen sich auf sieben zentrale Bereiche reduzieren:
- Schädlingsbefall durch geeignete Gebäude und Anlagen verhindern
- risikobasierte Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen festlegen
- Verantwortlichkeiten eindeutig definieren
- Kontrollen, Befunde und Maßnahmen dokumentieren
- Fallen und Monitoring-Systeme fachgerecht einsetzen
- Wareneingänge auf Schädlingsbefall kontrollieren
- Wirksamkeit und Befallstrends regelmäßig auswerten
Damit verfolgt IFS einen klaren Ansatz: Schädlinge sollen möglichst gar nicht erst in den Betrieb gelangen.
Die eigentliche Bekämpfung ist daher nur ein Teil eines umfassenden Schädlingsmanagementsystems.
1. Schädlingsbefall durch Prävention verhindern
IFS Food 8 fordert, dass Betriebsgelände und Ausrüstung so geplant, gebaut und instand gehalten werden, dass ein Schädlingsbefall möglichst verhindert wird.
Professionelle Schädlingsbekämpfung beginnt deshalb mit der Frage:
Wo könnten Schädlinge in den Betrieb gelangen oder geeignete Lebensbedingungen vorfinden?
Typische Schwachstellen sind:
- beschädigte Türen und Tore
- fehlende oder defekte Türdichtungen
- offene Fenster
- ungeschützte Lüftungsöffnungen
- Rohr- und Kabeldurchführungen
- Risse in Wänden oder Böden
- Hohlräume und Zwischendecken
- offene Abflüsse
- Lebensmittelreste
- stehendes Wasser
- schlecht organisierte Abfallbereiche
- Bewuchs unmittelbar am Gebäude
- gelagerte Paletten oder Gegenstände an Außenwänden
Gerade Mäuse benötigen nur sehr kleine Öffnungen, um in Gebäude einzudringen. Ein gutes Schädlingsmanagement muss deshalb über das reine Aufstellen von Fallen hinausgehen.
Praxis-Tipp
Festgestellte bauliche Schwachstellen sollten im Kontrollbericht dokumentiert und mit einer konkreten Maßnahme, Verantwortlichkeit und gegebenenfalls einer Frist versehen werden.
So wird aus Schädlingskontrolle ein aktives Präventionssystem.
2. Risikobasierte Schädlingsbekämpfung nach IFS
Einer der wichtigsten Punkte von IFS Food 8 ist der risikobasierte Ansatz.
Die Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung müssen dokumentiert, umgesetzt und aufrechterhalten werden. Dabei sind unter anderem folgende Faktoren zu berücksichtigen:
- Umgebung des Betriebs
- mögliche Schädlingsarten
- Zielschädlinge
- eingesetzte Rohstoffe
- hergestellte Produkte
- bauliche Gegebenheiten
- sensible Produktionsbereiche
- Lagerbereiche
- gemietete Lagerflächen
- Kontrollfrequenzen
- eingesetzte Bekämpfungsmittel
Das bedeutet:
Es gibt keine sinnvolle Standardlösung, die für jeden Lebensmittelbetrieb gleichermaßen funktioniert.
Eine Bäckerei hat beispielsweise andere Schädlingsrisiken als ein Fleischverarbeiter, ein Tiefkühllager, eine Gewürzproduktion oder ein Getränkehersteller.
3. Ein Köder- und Lageplan ist zentral
Für eine nachvollziehbare IFS Schädlingsbekämpfung benötigt der Betrieb einen aktuellen Plan, in dem die eingesetzten Monitoring- und Bekämpfungspunkte eindeutig dargestellt sind.
Je nach Betrieb können dies beispielsweise sein:
- Nagerköderstationen
- mechanische Fallen
- Monitoringboxen
- Insektenmonitoring
- Pheromonfallen
- UV-Insektenfanggeräte
- weitere geeignete Kontrollsysteme
Jeder relevante Monitoringpunkt sollte eindeutig identifizierbar sein.
Die Nummer auf dem Plan muss mit der Kennzeichnung am tatsächlichen Standort übereinstimmen.
Worauf Auditoren achten können
In der Praxis sollte nachvollziehbar sein:
- Wo befindet sich die Station?
- Welche Nummer trägt sie?
- Welchem Zweck dient sie?
- Welcher Schädling wird überwacht?
- Wann wurde sie kontrolliert?
- Welcher Befund wurde festgestellt?
- Welche Maßnahme wurde daraus abgeleitet?
Ein nicht aktueller Köderplan kann schnell zu Problemen führen – beispielsweise wenn Stationen im Plan eingezeichnet sind, die vor Ort nicht mehr existieren.
4. Verantwortlichkeiten müssen eindeutig geregelt sein
Viele Lebensmittelunternehmen beauftragen einen externen Schädlingsbekämpfungsdienstleister.
Das ist grundsätzlich möglich. Die Verantwortung für ein funktionierendes Schädlingsmanagement kann jedoch nicht vollständig ausgelagert werden.
Im Unternehmen muss eine kompetente verantwortliche Person benannt sein, die die Schädlingsbekämpfungsaktivitäten überwacht.
Bei Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister sollten die wesentlichen Anforderungen entsprechend dokumentiert sein.
Dazu gehören beispielsweise:
- Verantwortlichkeiten
- Leistungsumfang
- Kontrollintervalle
- eingesetzte Verfahren
- Dokumentation
- Kommunikationswege
- Vorgehen bei Befall
- Eskalationsmaßnahmen
Der Lebensmittelbetrieb bleibt also auch bei externer Schädlingsbekämpfung für die Umsetzung erforderlicher Maßnahmen verantwortlich.
5. Jede Kontrolle muss dokumentiert werden
Bei einem IFS Audit zählt nicht nur, dass kontrolliert wurde, sondern auch, dass dies nachvollziehbar belegt werden kann.
Zu einer professionellen Dokumentation gehören beispielsweise:
- Datum der Kontrolle
- kontrollierte Monitoringpunkte
- Befunde
- Schädlingsart
- Fangzahlen oder Aktivität
- festgestellte Schwachstellen
- eingeleitete Maßnahmen
- Verantwortlichkeiten
- gegebenenfalls Fristen
- Nachverfolgung der Maßnahmen
Besonders wichtig:
Festgestellte Abweichungen dürfen nicht einfach im Bericht stehen bleiben.
Es sollte erkennbar sein, was mit einem Befund passiert ist.
Beispiel:
Bei einer Kontrolle wird eine beschädigte Türdichtung festgestellt.
Dann sollte nachvollziehbar dokumentiert werden:
Befund → Maßnahme → Verantwortlicher → Umsetzung → Kontrolle der Wirksamkeit
Genau diese geschlossene Maßnahmenverfolgung stärkt die Auditfähigkeit.
6. Fallen und Köder müssen richtig positioniert sein
IFS fordert, dass Fallen, Köderstationen und Insektenfanggeräte:
- funktionsfähig sind,
- in ausreichender Anzahl vorhanden sind,
- für den jeweiligen Zweck geeignet sind,
- sinnvoll positioniert werden,
- keine Kontamination von Lebensmitteln verursachen.
Gerade der letzte Punkt ist für Lebensmittelbetriebe entscheidend.
Ein Monitoringgerät darf nicht selbst zum Risiko für die Produktsicherheit werden.
Beispiel: UV-Insektenfanggeräte
Bei UV-Insektenfanggeräten sollte die Positionierung so gewählt werden, dass gefangene Insekten oder Bestandteile nicht auf
- offene Lebensmittel,
- Produktionsanlagen,
- Verpackungsmaterialien oder
- produktberührende Flächen
gelangen können.
Die Anzahl und Position der Geräte sollte sich außerdem aus dem tatsächlichen Risiko ergeben.
7. Wareneingang auf Schädlinge kontrollieren
Ein häufig unterschätzter Punkt ist der Wareneingang.
Schädlinge gelangen nicht ausschließlich von außen durch Türen oder Öffnungen in einen Betrieb. Sie können auch über Rohstoffe, Verpackungsmaterialien, Paletten oder Transportmittel eingeschleppt werden.
IFS Food fordert deshalb eine Kontrolle eingehender Lieferungen auf mögliche Schädlingsaktivität.
Mögliche Hinweise sind beispielsweise:
- Fraßspuren
- Kotspuren
- Gespinste
- Larven
- Käfer
- Motten
- beschädigte Verpackungen
- lebende oder tote Insekten
Festgestellte Auffälligkeiten müssen dokumentiert werden.
Wichtig für die Praxis
Mitarbeiter im Wareneingang sollten wissen:
- worauf sie achten müssen,
- welche Befunde kritisch sind,
- wie ein Befund dokumentiert wird,
- wen sie informieren müssen,
- wie betroffene Ware behandelt wird.
Damit wird der Wareneingang zu einem wichtigen Bestandteil des präventiven Schädlingsmanagements.
8. Trendanalyse: Einzelne Fänge reichen nicht aus
Ein besonders wichtiger Bestandteil einer IFS-konformen Schädlingsbekämpfung ist die Trendanalyse.
Dabei werden Monitoringdaten nicht nur einzeln betrachtet, sondern über einen längeren Zeitraum ausgewertet.
Ein einzelner Fang muss nicht zwangsläufig auf einen akuten Befall hinweisen.
Steigende Fangzahlen über mehrere Kontrollen können dagegen ein deutliches Warnsignal sein.
Eine gute Trendanalyse hilft, solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.
Was sollte eine IFS-Trendanalyse zeigen?
Sinnvoll ist beispielsweise eine Auswertung nach:
- Schädlingsart
- Monitoringpunkt
- Gebäudebereich
- Monat
- Quartal
- Jahreszeit
- Fangzahlen
- wiederkehrenden Befunden
Besonders relevant sind Fragen wie:
- Steigt die Aktivität?
- Gibt es wiederkehrende Hotspots?
- Tritt derselbe Schädling immer im gleichen Gebäudebereich auf?
- Sind saisonale Muster erkennbar?
- Haben die eingeleiteten Maßnahmen funktioniert?
Eine reine Tabelle mit Fangzahlen ist deshalb noch keine echte Trendanalyse. Entscheidend ist die Bewertung der Daten und die Ableitung geeigneter Maßnahmen.
Was gehört in eine IFS-konforme Schädlingsbekämpfungsdokumentation?
Für die Auditvorbereitung sollten relevante Unterlagen schnell und vollständig verfügbar sein.
Eine sinnvolle Dokumentation kann unter anderem enthalten:
- Risikobewertung zur Schädlingsbekämpfung
- Lage- bzw. Köderplan
- Verzeichnis der Monitoringpunkte
- Kontrollberichte
- Befallsdokumentationen
- Trendanalysen
- Maßnahmenlisten
- Nachweise über erledigte Korrekturmaßnahmen
- Informationen zu eingesetzten Mitteln
- Sicherheits- und Anwendungsinformationen
- Qualifikationsnachweise
- Vertrag mit dem Schädlingsbekämpfungsdienstleister
- Festlegung interner Verantwortlichkeiten
- Dokumentation der Wareneingangskontrollen
Welche Unterlagen im Einzelfall benötigt werden, hängt vom Betrieb und dessen Risikobewertung ab.
Typische Fehler bei IFS Audits
In der Praxis entstehen Probleme häufig nicht deshalb, weil gar keine Schädlingskontrolle durchgeführt wird.
Viel häufiger ist das vorhandene System nicht konsequent umgesetzt oder nicht ausreichend dokumentiert.
Typische Schwachstellen sind:
Köderplan und Realität stimmen nicht überein
- Eine Station ist im Plan vorhanden, fehlt aber vor Ort – oder umgekehrt.
Maßnahmen werden nicht abgeschlossen
- Der Schädlingsbekämpfer dokumentiert beispielsweise eine defekte Türdichtung, aber niemand kann nachweisen, dass diese repariert wurde.
Trendanalysen fehlen
- Es existieren viele Kontrollberichte, aber niemand wertet die Entwicklung der Schädlingsaktivität systematisch aus.
Verantwortlichkeiten sind unklar
- Intern fühlt sich niemand für die Bearbeitung der Empfehlungen des Schädlingsbekämpfers verantwortlich.
Kontrollen erfolgen nach Schema statt nach Risiko
- Die Stationen werden routinemäßig kontrolliert, aber Veränderungen im Betrieb oder neue Schädlingsrisiken fließen nicht in das Konzept ein.
Wareneingangskontrollen sind nicht ausreichend dokumentiert
- Mitarbeiter prüfen zwar Lieferungen, ein nachvollziehbarer Nachweis fehlt jedoch.
IFS Audit: Diese Fragen sollten Sie beantworten können
Vor einem IFS Audit lohnt sich ein einfacher Selbstcheck.
Können Sie folgende Fragen eindeutig beantworten?
- Welche Schädlinge stellen für unseren Standort ein realistisches Risiko dar?
- Wie wurde dieses Risiko bewertet?
- Warum befinden sich Fallen und Monitoringpunkte genau an diesen Positionen?
- Wie wurden die Kontrollintervalle festgelegt?
- Wer ist intern verantwortlich?
- Wie werden Befunde dokumentiert?
- Was passiert bei einem Schädlingsfund?
- Wie werden Maßnahmen nachverfolgt?
- Werden Wareneingänge auf Schädlingsbefall kontrolliert?
- Wie wird die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft?
- Welche Entwicklungen zeigt die aktuelle Trendanalyse?
Wer diese Fragen anhand aktueller Dokumente beantworten kann, ist bereits deutlich besser auf die Schädlingskontrolle im IFS Audit vorbereitet.
Warum professionelle Schädlingsbekämpfung für IFS-Betriebe wichtig ist
Schädlingsmanagement in Lebensmittelbetrieben ist weit mehr als klassische Schädlingsbekämpfung.
Ein professionelles Konzept verbindet:
Prävention + Monitoring + Risikobewertung + Dokumentation + Trendanalyse + gezielte Maßnahmen
Dabei sollte der Dienstleister nicht lediglich einzelne Fallen kontrollieren, sondern den Betrieb dabei unterstützen, Risiken frühzeitig zu erkennen und nachvollziehbar zu beherrschen.
Gerade im Hinblick auf IFS Audits sind eine klare Dokumentation und eine fachliche Bewertung der Monitoringdaten entscheidend.
Fazit: IFS Schädlingsbekämpfung ist mehr als Fallen kontrollieren
Die Anforderungen an die IFS Schädlingsbekämpfung gehen deutlich über das regelmäßige Kontrollieren einzelner Fallen hinaus.
Entscheidend ist ein nachvollziehbares und risikobasiertes Gesamtsystem.
Dazu gehören:
Prävention, Monitoring, Dokumentation, Verantwortlichkeiten, Wareneingangskontrolle, Maßnahmenmanagement und Trendanalyse.
Unternehmen, die diese Bereiche konsequent miteinander verbinden, erfüllen nicht nur wichtige Anforderungen des IFS Food Standards. Sie reduzieren gleichzeitig das Risiko von Schädlingsbefall, Produktkontaminationen und unangenehmen Überraschungen beim nächsten Audit.